Neue Jugendreferentin am Start

Hallo Claire, die meisten in unserer Gemeinde kennen dich noch nicht. Am besten du stellst dich einfach mal selbst vor.

 

 

Ich heiße Claire Hamer, komme ursprünglich aus München, habe aber die letzten elf Jahre für Studium und Arbeit in Baden-Württemberg gelebt. Ich habe einen Master in Theologie an der Theologischen Hochschule in Reutlingen gemacht und die letzten vier Jahre als Jugendreferentin auf dem Bezirk Waiblingen gearbeitet.

Du bist in unserem Nachbarbezirk in der englischsprachigen Peacechurch aufgewachsen. Welche positiven Erinnerungen hast du noch an diese Zeit? Gibt es heute noch Verbindungen zu der Gemeinde?

 

Die Zeit in der Peacechurch habe ich als sehr bereichernde Zeit in Erinnerung. Ich war in der Gemeinde bis ich 16 war. Es ist eine unglaublich lebendige, bunte Gemeinde gewesen, man hat einfach ganz viele Einblicke in unterschiedliche Kulturen bekommen. Genauso vielfältig habe ich gemeinsame „Potlucks“ in Erinnerung – Mittagessen, bei denen jeder was mitbracht hat. Von Yams mit einer Currysoße bis zu einem amerikanischen, süßen Nachtisch über einen gesunden Salat war alles dabei. Auch habe ich dort schon als Teenie mitbekommen, welche sozialen Ungleichheiten es gibt und mit welchen unterschiedlichen Problemen Menschen konfrontiert sind, gerade wenn sie sich in einem Land noch fremd fühlen. Vom CEO bis zum Asylsuchenden waren alle vertreten. Besonders präsent sind mir Fälle, in denen Anwälte aus der Gemeinde für Asylsuchende vor Gericht gekämpft haben. Nicht immer schienen die Urteile fair oder richtig.

Dadurch, dass der Gottesdienst erst um zwölf angefangen hat, hat man oft noch den Nachmittag zusammen verbracht. Ich hatte in der Gemeinde viele Gleichaltrige, aber auch viele erwachsene Freunde, mit denen ich reden konnte, ihnen Fragen über den Glauben stellen konnte oder die mir auch mal bei den Hausaufgaben geholfen haben. Schon praktisch, wenn man bei der Französischhausaufgabe jemanden fragen kann, der die Sprache wirklich spricht. Auch erinnere ich mich an einige Angebote für Jugendliche, an denen ich teilgenommen und mitgeholfen habe.

Dadurch, dass Peacechurch eine internationale Gemeinde ist und einfach alle paar Jahre die gesamte Gemeinde durchwechselt, habe ich nur noch zu einzelnen Menschen, die inzwischen in allen möglichen Ländern leben, Kontakt und keine wirkliche Verbindung mehr zur Gemeinde selbst.

 

Was waren deine Aufgaben in den bisherigen Gemeindebezirken und welche Erfahrungen waren dir dabei besonders wichtig?

 

Vom KU, KU-Camp, KU-Gottesdiensten, Einsegnungen, Schulung für KU-Teamer, Übersetzung bei verschiedenen Veranstaltungen, Leitung zweier Jungscharen, Mitarbeiterbegleitung, Teeniekreis, Mitarbeit bei BUJU, JAT und JuGos, Start-up und Bibel-Start-up, Kinderbibelwoche und Legotage, das Schreiben von Artikeln für Arbeitshilfen und Gemeindebrief, Predigten, Aktionen für Teens und Junge Erwachsene, WoGeLes, verschiedene Ausflüge, Übernachtungen, Aktionen und Basteltage für Kids usw. und natürlich eine gute Portion Büroarbeit - war alles dabei. Besonders wichtig ist mir, bei allen Aufgaben Raum für Begegnung mit Gott und Miteinander zu schaffen, zusammen zu lachen und Spaß haben zu können.

Du wolltest gerne wieder zurück nach München in die Nähe deiner Familie. Aus den Bewerbungsgesprächen hast du auch sicherlich eine Vorstellung von unserem Gemeindebezirk und deinen Aufgaben. Auf welche Aufgaben freust du dich, und gibt es vielleicht auch Aufgaben oder Rahmenbedingungen, die dir aus heutiger Sicht noch Respekt abverlangen?

 

 

Ich möchte mich einfach mal möglichst unbefangen einlassen auf alles, was auf mich zukommt und mir möglichst wenig schon vorher ausmalen – es ist dann eh anders als man denkt. Freuen tue ich mich vor allem auf die Begegnungen mit den Teens und jungen Erwachsenen, mit denen ich arbeiten werde.

Gerade in der Großstadt erleben wir zunehmend eine Gesellschaft, die auf Gott und Kirche keinen großen Wert mehr legt. Welche Fragen sind deiner Meinung nach in der Generation 13 – 26 Jahre von besonderer Bedeutung und welche Rolle kann für sie heutzutage der Glaube spielen?

 

Ich denke in der Altersspanne sind die großen Fragen: Wer bin ich? Wer will ich sein? Was möchte ich beruflich machen? Wie wird sich die Welt angesichts der Klimakrise entwickeln? Wer ist der richtige Partner für mich? Wie gehe ich mit der Sorge um, niemanden zu finden? Wie gehe ich mit Liebeskummer um? Wird mein Leben gelingen? Wie kann ich für Freunde, die gerade Schwieriges durchmachen, da sein und selber trotzdem auf mich achten? Wie nable ich mich von meiner Familie ab und wie soll die neue Beziehung zu ihnen aussehen? Wie möchte ich meine Zeit gestalten? Wie finde ich Freunde, die zu mir passen? Was gibt meinem Leben Sinn und Halt?

 

Auf diese Fragen hat der Glaube oft nur indirekte Antworten, aber kann eine sehr tragende Rolle in einer ungewissen Zeit spielen. In der Beziehung zu Gott findet man Halt und bekommt eine Ahnung davon, wer man in Gottes Augen ist, dass man wertvoll ist und das eigene Leben eine Rolle spielt, dass man gebraucht wird. Diese Zusagen stimmen, egal wie das Leben gerade spielt und ob gerade alles glatt läuft oder nicht.

 

Über welche Aussage über unsere Jugendarbeit in drei Jahren würdest du dich richtig freuen?

 

Jugendliche und junge Erwachsene haben die Tools bekommen, selbst Verantwortung zu übernehmen, Ideen zu entwickeln und eigene Schritte zu gehen. Im Idealfall macht man sich in der kirchlichen Arbeit immer selber überflüssig.  

 

Vielen Dank Claire! Wir wünschen dir einen erfolgreichen Start in deine neue Aufgabe mit vielen guten Begegnungen und Gottes Segen!